Silberstreifen am Horizont: 4 Mamas teilen ihre Corona Geburtsgeschichten

Eine Geburt ist das wohl einschneidendste, wundervollste, atemberaubendste und berührendste Erlebnis im Leben von uns Mamas (und Papas). Gerade vor der ersten Geburt mischen sich, aufgrund von Ungewissheit was genau denn da auf uns zukommen wird, Freude und Angst. Denn keine Geburt ist wie die andere – daher geht es mehrfach-Mamas meistens genauso.

Das Jahr 2020 hat aufgrund von Corona noch eine Schippe Ungewissheit drauf gelegt. Und wir alle hätten vermutlich nicht erwartet, dass dieses Thema auch fast ein Jahr später so aktuell ist wie nie. Stationäre und auch ambulante Entbindungen in Kliniken machen uns Sorgen. Stetig neue Beschlüsse machen die Umstände unberechenbar.

Dabei dürfen wir nie vergessen: wir sind stark, unser Körper ist dafür gemacht unser Baby zu gebären. Und wir Mamas sollten mehr denn je zusammenhalten. Deshalb haben wir vier Mamas, die unter Corona entbunden haben, gebeten ihre Geburtsgeschichte mit uns zu teilen und allen Mom-to-be‘s Mut zuzusprechen. #momempowerment

Jenni, @fuxifox

„Mein großes Glück und Segen war es eine Beleghebamme zu haben. Wäre ich nicht so viel über dem Entbindungstermin gewesen, hätte sie sogar eine Hausgeburt gemacht. Die hat sie letztes Jahr des Öfteren gemacht. So haben wir durch die angeordnete Einleitung (und wir haben alles getan: Akupunktur, habe unseren 100qm Garten gemäht etc.) gemeinsam mit ihr im Krankenhaus ambulant entbunden. Ich weiß so eine Hebamme zu finden bzw. zu haben grenzt mittlerweile an ein Wunder!

Ich habe im harten Lockdown entbunden: am 13. April 2020.

Mein Partner durfte zum Glück dabei sein: von Einleitung bis zur Geburt. Im Kreißsaal durfte ich auch die Maske abnehmen, denn eine 8-stündige Geburt mit Wehenflut und allen Nebenwirkungen der Einleitungen hätte ich mit Maske nicht durchgehalten. Ich fühlte mich auch beschützt und habe das Positive aus der Sache gezogen. Mein Erstgeborener hat sich 2012 auf der Geburtsstation mit dem RS Virus angesteckt, ein Virus das für die Kleinen ähnliche Verläufe wie Corona haben kann…  Verrückt, denn irgendwie redet darüber niemand.

Im Krankenhaus meinten die Schwestern, sie haben nach der Geburt noch nie so viele entspannte Mütter und Babys erlebt. Der Besucherverkehr blieb aus, nur die Familie war da. Nach vier Stunden bin ich nach Hause gegangen. Ich kann jedem empfehlen ambulant zu entbinden und in sich und seine Hebamme zu vertrauen. Das ist mein Gefühl nach 2 Geburten, die trotzdem nicht komplikationslos waren.

Corona stellt uns vor Herausforderungen, wir können jedoch Kraft aus den positiven, kleinen Sonnenstrahlen ziehen. Meine Geburt war anstrengend aber schön und die Zeit danach sehr intensiv: keine Hände, durch die mein Kind gereicht wurde, Ruhe, nur meine kleine Familie. Keine eingeschnappten Verwandten, weil du die erste Woche nach der Geburt die Türen nicht aufmachen willst. Ich konnte mein Tempo selbst bestimmen und durch die Bestimmungen und Regeln der Regierung konnte auch keiner was sagen. Es sind viel weniger Tränen geflossen und ich fühlte mich sicher, sehr sicher, dank meinem Partner und meiner Hebamme.“

Valerie, @mamiliebe

„Ich wurde von der lieben Rona von Little Wombat gebeten Euch werdenden Mamas da draußen Mut zu machen. Euch die Angst zu nehmen, ein Kind unter der Pandemie zu bekommen. Ihr Lieben, starken, manchmal sicherlich auch zweifelnden und verängstigten Mamas da draußen. Alles wird gut! Vertraut auf Euch und Euer kleines Wunder!

Nach drei Geburten die anders nicht hätten sein können und der letzten unter Pandemie Bedingungen, kann ich Euch nur raten Ruhe zu bewahren, Euch zu entspannen und Euch in erfahrene Hände einer tollen Hebamme zu geben!Ich kann Euch nicht versprechen, dass Eure Männer oder Begleitpersonen mit in den Kreißsaal dürfen, dass ihr keine Maske tragen müsst und das alles so ist wie ihr Euch das vorgestellt habt. So ist es nämlich nie! All das ist außerdem von Krankenhaus zu Krankenhaus und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Aber eines weiß ich ganz gewiss: Vertraut auf Euch. Vertraut den erfahrenen Hebammen und Geburtshelfern. Vertraut in Euer Kind! Gemeinsam werdet ihr das schaffen, da bin ich mir ganz sicher!“

Julia, @julia.laukart

„Eigentlich hatte ich keine Angst vor der Geburt. Ich war relativ entspannt und freute mich auf das was auf uns zu kommt und endlich unser Baby in den Armen halten zu können.

Doch dann kam Corona… erst mal nahm man das gar nicht so ernst und es schien so weit weg zu sein. Doch dann, ca. Anfang des Jahres 2020 wo auch immer mehr Fälle in Deutschland auftraten wurde es immer ernster und man fing an sich Sorgen zu machen. Dann kam auch ziemlich schnell der erste große Lockdown. Verbunden mit einem Kontaktverbot; und noch schlimmer: Ein Zutrittsverbot in Krankenhäusern; auch für den Partner im Kreissaal.

Das machte mir dann echt Sorgen, denn so hatte ich mir das nicht vorgestellt und der Gedanke die Geburt und die Wehen ganz alleine durch zu stehen ohne meinen Mann an meiner Seite war für mich unvorstellbar und machte mir Angst. Nach einiger Zeit wurde das Verbot zum Glück wieder teilweise aufgehoben und die Partner durften im Kreißsaal ab der Hälfte der Geburt wieder dabei sein. Das gab mir Hoffnung und ich war wirklich erleichtert… Es war zwar immer noch nicht so, wie man sich alles vorgestellt hatte. Bei der ersten Schwangerschaft und dem ersten Kind war ich aber dankbar, dass mein Mann zumindest dabei sein durfte und wir diese Erfahrung und dieses Wunder gemeinsam erleben durften und er mir während der Geburt Kraft geben konnte.

Dazu kann dann noch, dass die Partner nach der Geburt das Krankenhaus wieder verlassen mussten und keine Besuche gestattet waren. Das hieß in meinem Fall, dass mein Mann unseren Sohn erst nach vier Tagen wieder sehen konnte. Aber Zum Glück gibt es ja noch Facetime ????

Ich konnte an der Situation nichts ändern. Und wie wir wissen, können unsere Gedanken und wie wir an eine Sache ran gehen viel beeinflussen und negative oder positive Auswirkungen auf das bevorstehende haben. Ich habe mich kurz vor der Geburt zurückgezogen, mich entspannt und versucht ruhig zu werden und mich mit positiven Gedanken auf die Geburt vorzubereiten.

Was mir auch sehr geholfen hatte, war ein Geburtsvorbereitungskurs. Vor allem, wenn man das erste mal schwanger ist und einfach nicht weiß, wie alles abläuft, was auf einen alles zukommt , worauf muss ich mich vorbereiten etc. Was ich mir immer wieder sagte: Unser Körper wurde dafür geschaffen und ist dafür ausgelegt ein Kind zur Welt bringen zu können. Daher wird alles gut werden. Natürlich kann es immer zu Komplikationen kommen, aber: Wir haben eine super medizinische Versorgung und heutzutage ist es einfacher als früher.  In den meisten Fällen läuft alles gut. Es ist meistens so, dass die Geschichten von „schlimmen Geburten“ öfter erzählt werden und eher hängen bleiben als die „positiven“ Geburtsberichte. Ich habe mir auch immer wieder gesagt: Es haben schon so viele Frauen vor mir Kinder bekommen, dann kriege ich das auch hin!

Meine Hebamme sagte mir: „Versuch immer von Wehe zu Wehe zu denken und nicht zu denken: wie lange geht das noch. Das demotiviert dich und es ist so wichtig, dass man nicht aufgibt.“ Und: „Jede Wehe die du geschafft hast, liegt hinter dir und kommt nie wieder“ „Jede Wehe bringt dich näher zu deinem Baby“. Positive Gedanken helfen beim entspannen. Und das ist sehr wichtig unter der Geburt, da bei Anspannung die Muskel verkrampfen und die Geburt nur länger dauert und schwieriger wird.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Geburt unseres Sohnes zu einem der schönsten Ereignisse in meinem Leben gehört. Zudem macht es einen stolz, dass man es geschafft hat und ist so dankbar wenn man das kleine, große Wunder endlich in den Armen hält. Auch wenn es alles anders lief und die Geburt eingeleitet werden musste (aufgrund einer Schwangerschaftscholestase) und mein Mann erst am nächsten Tag erst gegen Ende dabei sein konnte, habe ich mich im Krankenhaus super aufgehoben gefühlt.

Während der Geburt gab es einen Schichtwechsel und ich durfte 2 Hebammen kennenlernen. Beide Hebammen und auch die ganze Station waren soo lieb und sehr hilfsbereit. Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können.  Es war wirklich ein besonderer Tag. Zudem gab es mir sehr viel Kraft zu wissen, dass so viele Menschen (Partner, Eltern, Geschwister & Freunde) da draußen jetzt gerade an mich denken und für mich beten.“

Sandra, @heartbreakerlabradors

Meine Schwangerschaft verlief bilderbuchmäßig. Ich hatte keinerlei Beschwerden und durch meinen Job ein sofortiges Beschäftigungsverbot bekommen. Ich konnte die Schwangerschaft wirklich in allen Zügen genießen und auch meine Mama an dem ein oder anderen US Termin teilhaben lassen. Mein Mann war sowieso die ganze Zeit an meiner Seite. Ausgezählt war ich für den 29.3. und ich freute mich einfach unglaublich auf die bevorstehende Geburt.

Tja.. und dann kam Corona und mit Corona die Angst und die Ungewissheit: wie wird die Geburt verlaufen? Darf mein Mann dabei sein? Muss ich da alleine durch und er darf nur zur wirklich Geburt dazu kommen und muss danach wieder nach Hause…  Es war das reinste Gedankenkarussell. Ständig schaute ich auf der Seite des Krankenhauses nach neuen Informationen bezüglich der dort geltenden Regeln und überlegte mir schon einen Alternativplan, hätte mein Mann nicht bei der Geburt in unserem Wunschkrankenhaus dabei sein können. Bei den Untersuchungen beim Frauenarzt durfte mein Mann zum Glück noch dabei sein.

Als der Tag der Geburt näher rückte, packte auch mein Mann eine Tasche fürs Krankenhaus, denn wir wollten nach Möglichkeit ein Familienzimmer. Vom Krankenhaus hatten wir die Information, dass alles noch wie gewohnt abläuft, also dass die Väter ganz normal bei der Geburt dabei sein dürfen und dass es auch nach wie vor die Familienzimmer gäbe. Einzige Einschränkung: der Mann darf das Krankenhaus zwischendurch nicht verlassen, sondern muss dann auch die gesamte Zeit dort bleiben.

Und es war wirklich so: mein Mann war die ganze Geburt über an meiner Seite und wir hatten auch das versprochene Familienzimmer bekommen. Das war auch gut so, denn leider musste ich einen Kaiserschnitt haben und so konnte mein Mann sich die erste Zeit um unseren Sohn kümmern. Durch den Kaiserschnitt mussten wir natürlich auch einige Tage im Krankenhaus bleiben, aber ich muss sagen, dass man auf der Station von Corona wirklich nicht viel mitbekommen hat. Wir selber haben in der Zeit überhaupt keine Nachrichten gelesen und gehört, um uns nicht verrückt zu machen und um einfach nur die Kennenlernzeit mit unserem kleinen Schatz zu genießen.

Liebe Mamas, es ist eine verrückte Zeit und ich kann Eure Sorgen und Ängste sehr gut nachfühlen. Doch ruft Euch immer ins Bewusstsein: Ihr seid stark und ihr werdet bald das schönste Geschenk Eures Lebens in Euren Händen halten. Alles Liebe für Euch!“