Eine ganz besondere Kinderwunschgeschichte

Jede Kinderwunschreise ist anders und Familien sind so vielfältig und bunt, dass wir uns sehr freuen eine ganz besondere Kinderwunsch Geschichte mit ihrer Regenbogenfamilie teilen zu dürfen. Maxi und Lina haben ihren Sohn Ludwig bereits in unserem Little Wombat Tragetuch durch das erste Lebensjahr getragen und so durften wir sie auch auf dem Weg zu ihrem zweiten Wunder begleiten.

War für dich, Maxi, schon immer klar, dass du eine Familie gründen möchtest?
Oh ja, unbedingt. Ich hätte jedoch nie gedacht, dass das mit einer Frau der Fall sein wird. Als ich Lina kennengelernt habe war jedoch alles sehr eindeutig für mich. Wir haben recht schnell über Kinder gesprochen und waren uns einig, dass wir auch zügig Nachwuchs wollen.

Als gleichgeschlechtliches Paar kam für Euch eine Samenspende in Frage, für welche ihr Euch auch entschieden habt. Wie habt ihr zu eurem Spender gefunden?
Unser erster Sohn Ludwig ist durch eine Samenspende in einer Kinderwunschklinik entstanden. In Deutschland hat man hier recht wenig „Mitspracherecht“, was die Auswahl des Spenders angeht. Als Grundlage wurde Linas Aussehen gesehen, worauf uns zwei Spender zur Auswahl gestellt worden sind. Die Spender selbst durften wir nicht kennenlernen. Wir bekamen lediglich einige Eckpunkte genannt (Aussehen, Blutgruppe, Hobbys, Beruf,…).
Für das Sperma bezahlen wir jährlich, damit es für uns „reserviert“ wird. Es war uns sehr wichtig, dass unsere Kinder alle vom gleichen Spender und somit auch leibliche Geschwister sind.

 

Geht ihr von Anfang an offen mit Ludwig um? Bzw. wie werdet ihr Fragen eurer Kinder nach Spender beantworten?
Ja das tun wir. Im Kindergarten wird Ludwig bemerken, dass die meisten Kinder Mama und Papa haben und er wird sich fragen, weshalb das bei ihm anders ist. Wir erklären es ihm kindgerecht ganz offen. Ich habe ihm auch ein eigenes Buch gemalt bzw. geschrieben, um ihm das Ganze kindgerecht erklären zu können. 

In der KiWu-Klinik gab es sogar ein psychologisches Gespräch, in dem wir vertraglich zustimmen mussten, dass wir offen mit ihm darüber sprechen werden.

War von Anfang an klar, dass Maxi das Baby austragen wird? Kam beim zweiten Kind vielleicht auch das Thema auf, dass Lina das Baby austragen könnte?
Für uns war von Anfang an klar, dass ich alle Kinder austragen werde. Ich wollte schon immer eine Geburt erleben, stillen und alles was zum Mama sein dazu gehört. Praktischerweise konnte sich das Lina nie vorstellen. Sie wollte eine Familie, aber niemals schwanger sein. Sie ist jedoch total interessiert, will immer wissen, wie sich das anfühlt etc.

Habt ihr eine klare Rollen-/Aufgabenverteilung?
Wir sind eine der wenigen Regenbogenfamilien, bei denen jeder seine klassische Rolle hat. Ich war von Anfang an zu Hause und Lina hat weiter gearbeitet. In den Regenbogenfamilien in unserem Umfeld teilen sich eher beide alles gleich auf. 

Wie reagiert Euer Umfeld auf Eure Regenbogenfamilie?
Natürlich fallen wir als zwei Mamas auf. Es kommen aber eigentlich nur positive und neugierige Reaktionen. In der Familie sehen es alle recht ähnlich: was gibt es schöneres als zwei Mamas zu haben? Wir haben lediglich einen Mann im Umfeld, der immer meint „ein Junge braucht auch einen Mann als Vorbild“ (das überhören wir aber einfach gerne).

Wie hat Lina die Schwangerschaften empfunden?
Lina hat sich von Anfang an sehr intensiv mit den Schwangerschaften beschäftigt, hat viel gelesen und mich nach meinen Empfindungen gefragt. Sie cremt mir -wie damals bei Ludwig- jeden Tag den Bauch ein, damit sie eine Bindung zum Baby aufbaut. Sie war bei der Geburt immer an meiner Seite und hat z.B. auch die Nabelschnur durchgeschnitten. Ich würde sagen, die Bindung ist nicht anders als bei klassischen Familien.

In Deutschland ist das Baby in gleichgeschlechtlichen Familien rechtlich das Kind der Mutter. Die Partnerin muss das Kind nach der Geburt adoptieren. 

Wie habt ihr diese Adoption empfunden?
Die Adoption war für uns beide sehr belastend, da sie fast eineinhalb Jahre gedauert hat. Bis zur abgeschlossenen Adoption hatte Lina keinerlei Rechte an unserem Kind. (sie durfte offiziell z.B. nicht mal alleine mit Ludwig zum Kinderarzt). Es gab Hausbesuche, Finanzprüfungen, Psychologische Gespräche, ein Check-Up für Lina beim Arzt sowie die Überprüfung eines Führungszeugnisses. Am Ende wurde ein Bericht über Lina verfasst, der ausschlaggebend vor Gericht war. Der Termin vor Ort ging dann maximal 5 Minuten. Danach konnten wir endlich durchatmen.

Es gibt zum Glück bereits einen Gesetzesentwurf, in dem festgelegt ist, dass Kinder, die in einer Regenbogenehe geboren werden, nicht mehr von der Co-Mutter adoptieret werden müssen. Leider kommt dieser für unser zweites Kind zu spät, sodass wir den Adoptionsprozess noch einmal durchlaufen müssen. 

Was wünscht ihr euch für die Zukunft für Regenbogenfamilien?
Wir wünschen uns für uns und alle Regenbogenfamilien, dass wir mehr gesehen werden und dass mehr Aufmerksamkeit auf alle Familienformen gelegt wird (auch schon im kleinsten Kindesalter), dass es z.B. mehr Bücher oder Medien zu dem Thema gibt. Für der Stiefkindadoption hoffe ich sehr, dass sich da schnell etwas ändert. 

Du hattest bei Ludwig bereits ein Tragetuch von uns und hast das Tragen geliebt. Was bedeutet es für Dich, Dein Baby zu tragen?
Ich habe Ludwig ab Tag 3 nach der Geburt getragen. Tragen bedeutet für mich einfach die schönsten und innigsten Momente der Welt. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mein Kind jemals tragen werde. Ich habe ihn bis zur zweiten Schwangerschaft getragen und habe später auch einiges ausprobiert (habe sogar eine Trageberaterausbildung begonnen, weil ich anderen Eltern gerne zeigen möchte, wie wertvoll tragen sein kann und was das auch zwischen Tragendem und Kind bewirkt).

Die schönsten Tragemomente waren für uns, als wir im Elternzeit-Urlaub waren. Da hatten wir gar keinen Kinderwagen dabei und haben ihn immer getragen. Ludwig war damals schon ca. ein Jahr alt, hat seinen Mittagsschlaf im Tuch gemacht und mit uns dort die Welt erkundet.

Die kleine Marlene hat am 15.03.2022 das Licht der Welt erblickt. Wir wünschen Maxi’s Familie alles Liebe und eine wunderschöne Tragezeit!

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